-1- -2- -3- -4- -5- -6- -7- -8- -9- -10- -11- -12- -13- -14- -15- -16- -17- -18-
15-1
Der Höchste Herr sprach: Es gibt einen ewigen Feigenbaum, dessen Wurzeln nach oben und dessen Zweige nach unten reichen und dessen Blätter die Veden-Hymnen sind. Wer diesen Baum kennt, kennt die Veden.
Erklärung: In diesem Vers beginnt Krishna mit der Erklärung der Struktur der spirituellen und materiellen Welt, wobei er das Bild eines ewigen Feigenbaums verwendet. Dieser Baum, dessen Wurzeln nach oben (in die spirituelle Welt) und dessen Zweige nach unten (in die materielle Welt) reichen, symbolisiert die Einheit allen Seins und die Verbindung zum Göttlichen. Die Veden-Hymnen, die wie die Blätter des Baumes sind, sind eine Quelle des Wissens, die hilft, dieses Bild und die wahre Natur aller Dinge zu verstehen. Wer die Symbolik dieses Baumes versteht, versteht wahrhaftig die Veden und das spirituelle Wissen.
15-2
Die Zweige dieses Baumes, die von den drei Eigenschaften der Materie genährt werden, breiten sich nach oben und unten aus. Die Schösslinge der Zweige sind die Objekte der Sinne. Der Baum hat auch Wurzeln, die nach unten reichen und mit den Früchten der Aktivitäten der menschlichen Gesellschaft verbunden sind.
Erklärung: In diesem Vers setzt Krishna die Erklärung des Bildes des Feigenbaums fort. Die Zweige des Baumes, die sich nach oben und unten ausbreiten und von den drei Eigenschaften der Materie (Güte, Leidenschaft und Unwissenheit) genährt werden, symbolisieren verschiedene Ebenen und Erfahrungen der materiellen Existenz. Die Schösslinge der Zweige sind die Objekte der Sinne, die die Seele anlocken und sie an die materielle Welt binden. Der Baum hat auch Wurzeln, die nach unten reichen und die Handlungen der Menschen und ihre Folgen (Karma) symbolisieren, die die Seele an die materielle Welt binden.
15-3
Die wahre Gestalt dieses Baumes ist in dieser Welt nicht wahrnehmbar. Niemand kann verstehen, wo er endet, wo er beginnt und wo seine Basis ist. Aber dieser stark verwurzelte Baum kann mit der Waffe der Nicht-Anhaftung gefällt werden.
Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna, dass die wahre Natur der materiellen Welt, die durch den Feigenbaum symbolisiert wird, mit der begrenzten menschlichen Wahrnehmung nicht vollständig erfasst werden kann. Ihr Anfang, ihr Ende und ihre Basis bleiben verborgen. Diese stark verwurzelte Anhaftung an die materielle Welt kann jedoch mit der Waffe der Nicht-Anhaftung durchbrochen werden, d. h. durch den Verzicht auf materielle Wünsche und Anhaftungen.
15-4
Danach sollte man den Ort suchen, von dem niemand mehr zurückkehrt, und sich dort dem Höchsten Herrn hingeben, von dem alles seit Anbeginn der Zeit seinen Ursprung hat und sich ausgebreitet hat.
Erklärung: In diesem Vers weist Krishna auf den Weg der spirituellen Befreiung hin. Nach der Befreiung von der Anhaftung an die materielle Welt sollte man nach der spirituellen Realität suchen, von der niemand mehr in den Kreislauf von Geburt und Tod zurückkehrt. In dieser spirituellen Realität sollte man sich dem Höchsten Herrn hingeben, von dem alles seit Anbeginn der Zeit seinen Ursprung hat und sich ausgebreitet hat.
15-5
Diejenigen, die frei von Stolz, Täuschung und schlechter Gesellschaft sind, die das Ewige verstehen, die sich von materieller Begierde befreit haben, die frei von der Dualität von Glück und Leid sind und wissen, wie man sich mit klarem Verstand der Höchsten Person hingibt, erreichen diese ewige Wohnstätte.
Erklärung: In diesem Vers beschreibt Krishna die Eigenschaften, die einen Menschen charakterisieren, der bereit ist, die ewige spirituelle Wohnstätte zu erreichen. Ein solcher Mensch ist frei von Stolz, Täuschung und dem Einfluss schlechter Gesellschaft, versteht die ewige Natur der Seele, hat sich von materieller Begierde befreit und ist in der Lage, sowohl in Momenten des Glücks als auch des Leids Ruhe zu bewahren. Er weiß, wie er sich mit klarem Verstand der Höchsten Person – Gott – hingeben kann.
15-6
Diese Meine höchste Wohnstätte wird weder von der Sonne, noch vom Mond, noch vom Feuer, noch vom Licht der Elektrizität erleuchtet. Diejenigen, die sie erreichen, kehren niemals mehr in diese materielle Welt zurück.
Erklärung: In diesem Vers beschreibt Krishna seine höchste Wohnstätte – die spirituelle Welt, die sich von der materiellen Welt unterscheidet. Sie ist nicht von materiellen Lichtquellen wie Sonne, Mond, Feuer oder Elektrizität abhängig. Sie ist autark und mit spirituellem Licht erfüllt. Diejenigen, die diese Wohnstätte erreichen, kehren niemals mehr in die begrenzte und leidvolle materielle Welt zurück.
15-7
Die Lebewesen in dieser begrenzten Welt sind Meine ewigen Teilchen. Aufgrund ihres begrenzten Lebens kämpfen sie hart mit den sechs Sinnen, zu denen auch der Geist gehört.
Erklärung: In diesem Vers offenbart Krishna, dass alle Lebewesen Seine ewigen Teilchen sind, was bedeutet, dass sie einen göttlichen Funken besitzen. Da sie sich jedoch in der begrenzten materiellen Welt befinden, sind sie gezwungen, hart mit den sechs Sinnen (fünf Sinnesorganen und dem Geist) zu kämpfen, die sie ständig Wünschen und Leiden aussetzen.
15-8
Das Lebewesen in der materiellen Welt trägt seine verschiedenen Lebensvorstellungen von einem Körper zum anderen, wie die Luft Düfte trägt. So erwirbt es einen Körper und verlässt ihn dann wieder, um einen anderen zu erwerben.
Erklärung: In diesem Vers vergleicht Krishna die Transmigration der Seele von einem Körper zum anderen mit der Luft, die verschiedene Düfte mit sich trägt. Das Lebewesen geht, abhängig von seinem Bewusstsein und seinen Wünschen, von einem Körper zum anderen über und trägt die Eindrücke und Erfahrungen mit sich, die in früheren Leben gesammelt wurden.
15-9
Das Lebewesen, das so in einen anderen grobstofflichen Körper gelangt, erwirbt bestimmte Arten von Ohren, Augen, Zunge, Nase und Tastsinn, die um den Geist gruppiert sind. Auf diese Weise genießt es eine bestimmte Gesamtheit von Sinnesobjekten.
Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna, dass das Lebewesen bei der Inkarnation in einem neuen Körper bestimmte Arten von Sinnesorganen erwirbt – Ohren, Augen, Zunge, Nase und Tastsinn, die um den Geist gruppiert sind. Mit Hilfe dieser Sinne genießt die Seele eine bestimmte Gesamtheit von Sinnesobjekten, die ihrem neuen Körper und ihren Lebensumständen entsprechen.
15-10
Die Nicht-Erleuchteten können nicht verstehen, wie das Lebewesen seinen Körper verlassen kann, noch welche Art von Körper es unter der Herrschaft der Eigenschaften der Materie genießt. Aber wer in Wissen geschulte Augen hat, kann das alles sehen.
Erklärung: In diesem Vers weist Krishna auf den Unterschied zwischen einem erleuchteten und einem nicht-erleuchteten Menschen hin. Die Nicht-Erleuchteten, denen es an spirituellem Wissen mangelt, können den Prozess der Seelentransmigration nicht verstehen – wie das Lebewesen einen Körper verlässt und in einem anderen inkarniert, und wie es verschiedene Körper unter dem Einfluss der Eigenschaften der Materie genießt. Wer jedoch in spirituellem Wissen geschulte Augen hat, kann dies alles klar sehen und verstehen.
15-11
Selbstverwirklichte Praktizierende spiritueller Disziplinen, die sich bemühen, können all dies klar sehen. Aber diejenigen, deren Geist nicht entwickelt ist und die keine Selbstverwirklichung erreicht haben, können nicht erkennen, was vor sich geht, egal wie sehr sie sich bemühen.
Erklärung: In diesem Vers betont Krishna, dass selbstverwirklichte Praktizierende spiritueller Disziplinen, die entschlossen sind und sich auf dem spirituellen Weg bemühen, die Natur der Seele und ihre Interaktion mit dem Körper klar sehen können. Im Gegensatz dazu können diejenigen, deren Geist spirituell nicht entwickelt ist und die keine Selbstverwirklichung erreicht haben, diese Wahrheiten nicht erkennen, egal wie sehr sie sich bemühen. Dies deutet auf die Notwendigkeit innerer Reinigung und spiritueller Praxis hin, um wahres Verständnis zu erlangen.
15-12
Der Glanz der Sonne, der die Dunkelheit aller Welten vertreibt, kommt von Mir. Auch der Glanz des Mondes und der Glanz des Feuers kommen von Mir.
Erklärung: In diesem Vers offenbart Krishna, dass Er die Quelle allen existierenden Lichts und aller Energie ist. Der Glanz der Sonne, der die Dunkelheit in der ganzen Welt vertreibt, der Glanz des Mondes, der nachts scheint, und der Glanz des Feuers, der Wärme und Licht spendet – all das kommt von Krishna. Dieser Vers deutet symbolisch auf die Gegenwart göttlicher Kraft in allen Naturphänomenen hin.
15-13
Ich gehe in jedes Planetensystem ein, und durch Meine Kraft werden sie in ihren Umlaufbahnen gehalten. Ich werde zum Mond und gebe so allen Pflanzen den Lebenssaft.
Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna weiter seinen allumfassenden Einfluss auf das Universum. Er tritt in jedes Planetensystem ein und hält es durch seine Kraft in bestimmten Umlaufbahnen, wodurch Stabilität und Ordnung im Kosmos gewährleistet werden. Ebenso wird er zum Mond, der den Pflanzen der Erde Lebenssaft gibt und ihr Wachstum und ihre Entwicklung fördert.
15-14
Ich bin das Verdauungsfeuer in den Körpern aller Lebewesen, und Ich verbinde Mich mit dem Aus- und Einatem, um die vier Arten von Nahrung zu verarbeiten.
Erklärung: In diesem Vers offenbart Krishna seine Gegenwart in den Körpern aller Lebewesen als Verdauungsfeuer, das hilft, verschiedene Arten von Nahrung zu verarbeiten. Er verbindet sich mit dem Aus- und Einatem, d. h. mit der Lebenskraft, um den Verdauungsprozess zu gewährleisten und das Leben zu erhalten.
15-15
Ich bin im Herzen eines jeden, und von Mir kommen Erinnerung, Wissen und Vergessen. Ich bin derjenige, der mit Hilfe aller Veden erkannt werden muss, und Ich bin in Wirklichkeit der Verfasser des Vedānta und der Kenner der Veden.
Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna, dass Er im Herzen aller Wesen wohnt und die Quelle von Erinnerung, Wissen und Vergessen ist. Er ist derjenige, der mit Hilfe aller Veden – der heiligen Schriften – erkannt werden muss. Er ist der Verfasser des Vedānta, des Wesens der Veden, und der wahre Kenner der Veden, da Er der spirituelle Ursprung und das Ziel allen Seins ist.
15-16
Es gibt zwei Arten von Wesen – vergängliche und unvergängliche. In der materiellen Welt sind alle Lebewesen vergänglich, aber in der spirituellen Welt werden alle Lebewesen als unvergänglich bezeichnet.
Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna den Unterschied zwischen zwei Arten von Wesen: vergänglichen und unvergänglichen. In der materiellen Welt sind alle Lebewesen Geburt, Tod und Zerstörung unterworfen, d. h. sie sind vergänglich. Im Gegensatz dazu sind in der spirituellen Welt alle Lebewesen ewig und unvergänglich, da sie frei von den Beschränkungen der Materie sind.
15-17
Außer diesen beiden gibt es ein noch größeres Lebewesen, Gott Selbst, der in die drei Welten eingegangen ist und sie als ewiger Herr erhält.
Erklärung: In diesem Vers offenbart Krishna, dass es eine noch höhere Realität gibt – Gott Selbst, der das Größte aller Lebewesen ist. Er ist in alle drei Welten (die materielle, die feinstoffliche und die spirituelle) eingegangen und erhält sie als ewiger Herr, der sowohl über den vergänglichen als auch über den unvergänglichen Wesen steht.
15-18
Da Ich transzendent bin, sowohl über dem Vergänglichen als auch über dem Unvergänglichen stehe, und da Ich der Größte bin, werde Ich sowohl in der Welt als auch in den Veden als diese Höchste Person gepriesen.
Erklärung: In diesem Vers bekräftigt Krishna seine transzendentale Natur, die sowohl über den vergänglichen materiellen Wesen als auch über den unvergänglichen spirituellen Wesen steht. Er ist der Größte, deshalb wird Er sowohl in der Welt als auch in den Veden als die Höchste Person gepriesen, der Anfang und das Ende aller Dinge.
15-19
Wer Mich unzweifelhaft als den Höchsten Herrn kennt, der weiß alles. Deshalb, o Nachkomme Bharatas, beginnt er von ganzem Herzen, Mir zu dienen.
Erklärung: In diesem Vers betont Krishna, dass derjenige, der Ihn ohne Zweifel als den Höchsten Herrn anerkennt, vollständige Kenntnis von allem erlangt. Diese Erkenntnis führt zu wahrem spirituellem Dienst, der von ganzem Herzen kommt und einzig und allein Gott gewidmet ist.
15-20
O Sündloser, dies ist der geheimste Teil der vedischen Schriften, den Ich dir jetzt offenbart habe. Wer dies versteht, wird weise werden, und seine Bemühungen werden vollkommen werden.
Erklärung: In diesem Vers schließt Krishna das fünfzehnte Kapitel ab, indem er darauf hinweist, dass seine Lehre der geheimste Teil der vedischen Schriften ist, der die tiefste Wahrheit über Gott, die Seele und ihre wechselseitigen Beziehungen offenbart. Wer diese Lehre wirklich versteht, wird weise, und seine Bemühungen auf dem spirituellen Weg werden mit Vollkommenheit gekrönt – Befreiung und Einheit mit dem Göttlichen.
-1- -2- -3- -4- -5- -6- -7- -8- -9- -10- -11- -12- -13- -14- -15- -16- -17- -18-