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5-1

Arjuna sprach: Oh Krishna, zuerst bittest Du mich, auf das Handeln zu verzichten, und dann rätst Du mir wieder, in Hingabe zu handeln. Bitte sag mir deutlich, welcher von diesen beiden Wegen vorteilhafter ist?

Erklärung: In diesem Vers steht Arjuna vor einem Dilemma. Er möchte verstehen, welche Art der spirituellen Praxis zum höchsten spirituellen Erfolg führt. Er weist auf zwei Wege hin: erstens diejenigen, die Gott in seiner persönlichen Form mit hingebungsvoller Liebe dienen, und zweitens diejenigen, die die Kontemplation über das Absolute oder das Unmanifeste, das göttliche Wesen wählen, das die physische Form transzendiert und unbeschreiblich ist.

5-2

Der Höchste Herr erwiderte: Sowohl der Verzicht auf das Handeln als auch das Handeln in Hingabe sind gut, um Befreiung zu erlangen. Doch von diesen beiden ist das Handeln in Hingabe besser als der Verzicht auf das Handeln.

Erklärung: Warum wird selbstloses Handeln als besser angesehen? Der Verzicht auf Handlungen kann, wenn er nicht auf innerer spiritueller Disziplin und Verständnis beruht, Verwirrung oder eine Stagnation des spirituellen Wachstums verursachen. Selbstloses Handeln hingegen ermöglicht es dem Menschen, in der Welt zu leben und gleichzeitig spirituell voranzukommen, da es lehrt, seine Pflichten zu erfüllen, ohne Belohnung zu erwarten, sondern sie Gott darzubringen. Es ist eine aktive Lebenseinstellung, bei der spirituelles Wachstum durch die Herausforderungen des täglichen Lebens und der Arbeit erreicht wird. Dieser Vers betont, dass, obwohl der Verzicht auf Handlungen als der schnellste Weg zur spirituellen Befreiung erscheinen mag, die aktive Ausübung von Handlungen mit einer selbstlosen Haltung und ohne Anhaftung tatsächlich einen tieferen und dauerhafteren spirituellen Nutzen bringt.

5-3

Wer weder die Früchte des Handelns hasst noch begehrt, gilt als immer Verzichtender. Ein solcher Mensch, oh starkarmiger Arjuna, frei von allen Dualitäten, überwindet leicht die materiellen Fesseln und ist vollständig befreit.

Erklärung: Krishna weist auf das wahre Wesen des Verzichts auf weltliche Bindungen hin. Es hängt nicht nur mit dem äußeren Verzicht auf materielle Dinge zusammen, sondern vielmehr mit einer inneren Haltung. Ein Mensch, der weder Hass noch Begierde empfindet, hat wahrhaftig auf weltliche Bindungen verzichtet. Das bedeutet, dass sein Geist nicht an Dualitäten gebunden ist – Freude und Leid, Erfolg und Misserfolg.

5-4

Nur die Unwissenden sprechen davon, dass die Hingabe an Gott (der Weg des Handelns) sich von der analytischen Erforschung der Welt (der Weg des Wissens) unterscheidet. Tatsächlich sagen die Gelehrten, dass derjenige, der einen dieser Wege sorgfältig geht, die Früchte beider erreicht.

Erklärung: Dieser Vers deutet darauf hin, dass nur Unwissende oder diejenigen, die nicht weise genug sind, glauben, dass der Weg des Wissens (ein intellektueller Weg zur Erleuchtung) und der Weg der spirituellen Disziplin (ein praktischer Weg, der Kontemplation beinhaltet) völlig unterschiedlich sind. Tatsächlich ergänzen sie sich und führen beide zum selben Ziel – der Gotteserkenntnis. Die Weisen verstehen, dass beide Wege dasselbe Ziel haben – Erleuchtung und Einheit mit der höchsten Wahrheit. Wenn sich ein Mensch für einen Weg entscheidet und ihn mit vollem Engagement und der richtigen Herangehensweise verfolgt, kann er dasselbe Ergebnis erzielen, das beide Wege bieten. Dieser Vers betont, dass spirituelles Wachstum nicht von der Wahl einer bestimmten Methode abhängt, sondern davon, wie gut der Mensch sie praktiziert und wie tief er sie versteht.

5-5

Den Zustand, den man durch den Weg des Wissens erreicht, erreicht man auch durch den Weg der spirituellen Disziplin. Wer sieht, dass der Weg des Wissens und die spirituelle Disziplin ein und dasselbe sind, der sieht wirklich.

Erklärung: Krishna erklärt, dass sowohl der intellektuelle Weg des Wissens als auch der Weg der spirituellen Disziplin zum selben Ziel führen – der Erlangung der höchsten Wahrheit. Der Weg des Wissens bedeutet intellektuelle Erforschung und das Verständnis der wahren Natur der Welt und des Selbst, während die spirituelle Disziplin Praxis, Konzentration und Kontemplation umfasst, um die Einheit mit der höchsten Realität zu erreichen. Es wird auch betont, dass beide Wege das gleiche Ziel haben und dass ein Mensch, der versteht, dass sie sich gegenseitig ergänzen, den spirituellen Weg wirklich versteht. Dieser Vers ermutigt zu verstehen, dass, unabhängig davon, welchen Weg ein Mensch wählt, beide zur Erleuchtung und zur höchsten Wahrheit führen.

5-6

Oh starkarmiger Arjuna, ohne dem Herrn zu dienen, ist es unmöglich, Glück zu erlangen, indem man einfach auf alle Handlungen verzichtet. Doch der Weise, der sich der Hingabe an den Dienst Gottes widmet, kann den Höchsten schnell erreichen.

Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna, dass der Verzicht auf Handlungen ohne spirituelle Disziplin, was in diesem Zusammenhang den Dienst an Gott bedeutet, ein sehr schwieriger Weg ist, der oft zu Leid führt. Das liegt daran, dass sich der Geist immer noch nach der materiellen Welt sehnt, auch wenn der Mensch sich physisch von ihr abgewandt hat. Nur durch die Praxis der spirituellen Disziplin, die die Disziplin des Geistes, die Kontemplation und das spirituelle Bewusstsein umfasst, kann der Mensch schnell die höchste Wahrheit erreichen – das göttliche Bewusstsein, die Absolute Realität. Dieser Vers betont die Bedeutung der spirituellen Disziplin und weist darauf hin, dass ein bloßer Verzicht ohne spirituelle Disziplin nicht ausreicht, um spirituelle Vollkommenheit zu erreichen.

5-7

Wer in Hingabe handelt, dessen Seele rein ist, wer seinen Geist und seine Sinne beherrscht, ist allen lieb, und alle sind ihm lieb. Obwohl er immer handelt, ist er niemals gebunden.

Erklärung: In diesem Vers beschreibt Krishna einen Menschen, der spirituelle Disziplin praktiziert und spirituelle Reinheit und Selbstdisziplin erreicht hat. Ein solcher Mensch hat seinen Geist von Egoismus und selbstsüchtigen Wünschen gereinigt (er hat eine reine Seele) und seine Sinne überwunden – er ist nicht mehr ein Sklave seiner sinnlichen Begierden. Sein Geist ist stabil, und er hat sowohl seine inneren als auch seine äußeren Triebe vollständig kontrolliert. Wichtig ist, dass sich ein solcher Mensch bewusst ist, dass seine eigene Seele mit den Seelen aller Wesen verbunden ist. Er versteht, dass die Seele in allen Lebewesen eins ist, was ihn zu einem Gefühl der Einheit mit der gesamten Schöpfung führt. Daher ist er, auch wenn er in der Welt handelt, nicht an diese Handlungen gebunden – er betrachtet sich nicht als den Besitzer oder Ausführenden der Ergebnisse dieser Handlung. Er handelt selbstlos, ohne Anhaftung und ohne sich an die materielle Welt zu binden.

5-8

Wer das Göttliche kennt, denkt immer: Ich tue nichts –, auch wenn er sieht, hört, fühlt, riecht, isst, sich bewegt, schläft, atmet.

Erklärung: Dieser Vers beschreibt die Haltung und das Verständnis einer Person, die spirituelle Disziplin geübt und höchste Einsicht in die Wahrheit erlangt hat. Eine solche Person versteht, dass sie selbst als Körper nicht der Handelnde ist, sondern lediglich ein Beobachter. Alle Handlungen – Sehen, Hören, Berühren, Riechen, Essen, Gehen, Schlafen und Atmen – sind physische Aktivitäten, die vom Körper ausgeführt werden und nichts mit der wahren Natur der Seele zu tun haben. Wer die Wahrheit verstanden hat, sieht, dass die Seele vom Körper getrennt und nicht an weltliche Handlungen gebunden ist. Das bedeutet, dass er versteht: Alle physischen Handlungen geschehen nur in der natürlichen Ordnung der Welt, aber sein wahres Selbst (die Seele) bleibt von diesen Handlungen unberührt. Dieses Verständnis befreit den Menschen von der Anhaftung an Handlungen und Ergebnisse, da er begreift, dass sein wahres Wesen jenseits des physischen Körpers und der weltlichen Handlungen liegt. Dieser spirituelle Zustand erlaubt es dem Menschen, in der Welt zu leben und seine Pflichten zu erfüllen, aber gleichzeitig frei von den Folgen des Handelns zu bleiben, da er sich nicht mit den physischen Handlungen und der materiellen Welt identifiziert. Dies ist ein hohes Niveau spiritueller Disziplin, in dem der Mensch die Freiheit von der Verknüpfung des Handelns mit dem Ego erlangt hat.

5-9

Denn er weiß, dass er, obwohl er spricht, ausscheidet, gibt, die Augen öffnet und schließt, lediglich zulässt, dass die materiellen Sinne mit ihren Objekten interagieren.

Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna weiter, wie eine Person, die die Lehren der spirituellen Disziplin gelernt hat und sich ihres wahren Wesens bewusst ist, ihr Handeln in der Welt sieht. Er versteht, dass alle Handlungen – Sprechen, etwas freigeben, empfangen, Augen öffnen oder schließen – nur Sinnesaktivitäten sind, die sich auf ihre Objekte beziehen. Eine solche Person lässt sich nicht von Handlungen mitreißen, sie versteht, dass ihr wahres Selbst nicht in diese Handlungen involviert ist. Es sind lediglich Funktionen des Körpers und der Sinne, die automatisch ablaufen, die Seele aber nicht beeinflussen. Die Seele, die mit spiritueller Disziplin verbunden ist, bleibt frei und unbeteiligt an den Handlungen, so wie ein Spiegel reflektiert, aber nicht an dem teilnimmt, was er reflektiert.

5-10

Wer Handlungen ausführt, indem er sie dem göttlichen Bewusstsein weiht und auf Anhaftung verzichtet, wird nicht von Sünde befleckt, so wie ein Lotusblatt im Wasser unberührt bleibt.

Erklärung: In diesem Vers lehrt Krishna, dass ein Mensch, der seine Werke dem göttlichen Bewusstsein übergibt, das heißt, alle Handlungen mit dem Gedanken an das Göttliche und ohne Anhaftung an die Ergebnisse der Handlungen ausführt, nicht an Sünde und die Folgen des Handelns gebunden ist. Er vergleicht diesen Zustand mit einem Lotusblatt, das, obwohl es sich im Wasser befindet, nicht benetzt und unberührt bleibt. Ebenso bleibt ein Mensch, der selbstlos lebt und seine Handlungen ohne persönliche Ambitionen oder Anhaftung ausführt, spirituell rein und verstrickt sich nicht im Kreislauf des Handelns.

5-11

Die Praktizierenden spiritueller Disziplin, die Anhaftung abgelegt haben, handeln mit Körper, Geist, Verstand und sogar mit den Sinnen, nur um sich zu reinigen.

Erklärung: In diesem Vers beschreibt Krishna, wie ein Praktizierender spiritueller Disziplin seine Handlungen ausführt. Der Praktizierende spiritueller Disziplin handelt mit Körper, Geist, Intellekt und sogar mit den Sinnen, aber seine Handlungen sind frei von Anhaftung. Der Praktizierende spiritueller Disziplin betrachtet seine Handlungen nicht als Mittel, um materielle Vorteile zu erlangen, sondern als Mittel, um seine Seele zu reinigen, indem er selbstlos handelt und seine Handlungen Gott weiht. • Auf die Anhaftung verzichten bedeutet, dass der Praktizierende spiritueller Disziplin keine persönlichen Vorteile oder Belohnungen für seine Handlungen erwartet. Er führt sie mit dem Gedanken an die spirituelle Läuterung und die Reinigung der Seele von den Folgen des Handelns aus. • Körper, Geist, Intellekt und Sinne sind Instrumente, mit denen der Mensch in der Welt handelt. Der Praktizierende spiritueller Disziplin nutzt sie, um selbstlose Handlungen auszuführen, die helfen, das höchste spirituelle Ziel zu erreichen. Dieser Vers betont, dass, obwohl der Praktizierende spiritueller Disziplin an weltlichen Aktivitäten teilnimmt, sein Geist nicht an materielle Ziele gebunden ist und seine Handlungen nur der inneren Reinigung dienen. Dieser Vers lehrt, dass auch ein aktiver Mensch seine täglichen Aufgaben unter Einsatz von Körper, Geist und Sinnen erfüllen kann, aber mit dem Ziel, die Seele zu reinigen und spirituell voranzukommen. Das bedeutet, dass Handlungen nicht dem Erwerb materieller Güter dienen müssen, sondern der spirituellen Entwicklung und der Reinigung des Bewusstseins von Egoismus und Anhaftung.

5-12

Die mit dem Göttlichen Vereinten, die auf die Früchte aller Handlungen verzichten, erlangen unerschütterlichen Frieden; im Gegensatz dazu wird der Mensch, der nicht mit dem Göttlichen vereint ist und die Früchte seiner Handlungen genießen will, gebunden.

Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna den Unterschied zwischen einem Praktizierenden spiritueller Disziplin und einem Menschen, der nicht mit spiritueller Disziplin verbunden ist. • Der Praktizierende spiritueller Disziplin, der auf die Früchte der Handlungen verzichtet (sich nicht an die Ergebnisse der Handlungen klammert), erlangt Frieden, der dauerhaft und unabhängig von äußeren Umständen ist. Dieser Frieden kommt von der spirituellen Stabilität und dem Verständnis, dass das wahre Wesen des Menschen nicht an weltliche Handlungsergebnisse gebunden ist. • Der Mensch, der nicht mit spiritueller Disziplin verbunden ist, der von Wünschen getrieben handelt, klammert sich ständig an die Früchte der Handlungen und deren Ergebnisse und wird dadurch an weltliche Ereignisse gebunden und leidet unter deren Auswirkungen. Seine Wünsche und Anhaftungen erzeugen eine Handlungskette, die zu Unruhe und Leid führt. Dieser Vers betont, dass selbstloses Handeln und der Verzicht auf die Früchte des Handelns der Weg zu spirituellem Frieden sind, während Wünsche und Anhaftung an Ergebnisse zur Bindung an das Handeln und zu unvermeidlichem Leid führen.

5-13

Wenn das verkörperte Wesen seine Natur bezwingt und sich im Geiste von allen Handlungen distanziert, lebt es glücklich in der Stadt der neun Tore, weder handelnd noch das Handeln verursachend.

Erklärung: In diesem Vers beschreibt Krishna den Zustand, in dem ein Mensch völlig ungebunden von seinen Handlungen ist. Ein solcher Mensch distanziert sich im Geiste von allen Handlungen, das bedeutet, er versteht bewusst, dass, auch wenn der Körper weiterhin agiert, er selbst – die Seele – ungebunden von diesen Handlungen ist. Dieses Bewusstsein erzeugt inneren Frieden und Glück. • Die Stadt der neun Tore symbolisiert den Körper mit neun Öffnungen (zwei Augen, zwei Ohren, zwei Nasenlöcher, Mund, Anal- und Geschlechtsöffnung). In diesem Körper lebt die Seele, aber der bewusste Mensch versteht, dass er selbst – die Seele – nicht der Ausführende dieser Handlungen ist. • Die Distanzierung des Geistes von Handlungen bedeutet, dass sich der Mensch nicht von Handlungen mitreißen lässt und sich nicht mit dem Körper oder seinen Funktionen identifiziert. Er lebt in der Welt, ist aber nicht an die Handlungen des Körpers gebunden. Ein solcher Mensch, der sich und seine Sinne vollständig beherrscht, kann in Frieden und innerem Glück leben, da er sich bewusst ist, dass der Körper unabhängig von der Seele weiter funktioniert und die Seele nicht beschmutzt oder an die Handlungen des Körpers gebunden wird.

5-14

Der Herr des verkörperten Wesens erschafft weder Handlungen noch die Fähigkeit zum Handeln noch die Verbindung zwischen Handlungen und ihren Früchten. All dies wird von den Eigenschaften der materiellen Natur bewirkt.

Erklärung: In diesem Vers weist Krishna darauf hin, dass Gott oder der Höchste Herr nicht derjenige ist, der den Menschen Handlungen auferlegt, ihnen die Kraft zum Handeln gibt oder sie an die Früchte des Handelns bindet. Es ist nicht Gottes Werk, den Menschen zum Handeln zu bringen und sein Schicksal zu bestimmen. • Handlungen und ihre Folgen sind mit der Natur des Menschen selbst verbunden. Menschen handeln gemäß ihrer natürlichen Beschaffenheit und ihren Neigungen, die sich aus ihrem inneren Charakter ergeben. Das bedeutet, dass das Handeln des Menschen und die Ergebnisse seines Handelns von seinem inneren Zustand und seinen Neigungen beeinflusst werden. • Der Herr ist ein neutraler Beobachter und gibt keine direkten Anweisungen, wie der Mensch handeln oder an welche Handlungen er sich binden soll. Es ist der Mensch selbst, der mit seinem freien Willen und seinen natürlichen Neigungen wählt, zu handeln und sich den Konsequenzen zu stellen. Dieser Vers betont, dass der innere Zustand des Menschen (Charakter, Natur) das ist, was seine Handlungen und deren Folgen formt, nicht Gott oder eine äußere Macht. Das bedeutet, dass die Menschen selbst für ihre Handlungen verantwortlich sind und ihr inneres Wesen ihr Schicksal bestimmt.

5-15

Der Allerhöchste übernimmt keine Verantwortung für die sündigen oder frommen Handlungen irgendjemandes. Die Unwissenheit, die das wahre Wissen verhüllt, täuscht die verkörperten Wesen.

Erklärung: In diesem Vers weist Krishna darauf hin, dass Gott den Menschen nicht für ihre Sünden oder guten Taten zur Rechenschaft zieht, das heißt, der Höchste Herr ist neutral und greift nicht in die Handlungen der Menschen ein. Gott nimmt weder die Sünden noch die guten Taten des Menschen an. Alles, was den Menschen an das Handeln und seine Folgen bindet, ist seine eigene Unwissenheit. • Unwissenheit verdeckt das wahre Wissen über die Natur der Seele und das Göttliche. Ein Mensch, dem das Wissen über seine wahre Natur und die Einheit der Seele mit dem Göttlichen fehlt, wird getäuscht und klammert sich an die materielle Welt, wodurch er Handlungen ausführt, die ihn im Handeln binden. • Sünden und gute Taten sind Ergebnisse der Handlungen des Menschen selbst, die sich aus seinem Bewusstseinszustand und seinem Verständnis ergeben. Gott ist nicht derjenige, der für diese Handlungen annimmt oder bestraft, sondern der Mensch selbst ist dafür verantwortlich, wie er auf die Situationen des Lebens reagiert. Dieser Vers deutet darauf hin, dass die Unwissenheit des Menschen ihn täuscht und ihn dazu bringt, sich mit weltlichen Sünden oder guten Taten zu verbinden. Sobald sich der Mensch von der Unwissenheit befreit und wahres Wissen erlangt, sieht er, dass die Seele ungebunden von den Handlungen der materiellen Welt ist.

5-16

Aber für diejenigen, deren Unwissenheit durch Wissen zerstört wurde, erleuchtet dieses Wissen wie die Sonne die höchste Wahrheit.

Erklärung: In diesem Vers beschreibt Krishna, wie Wissen den Menschen von der Unwissenheit befreit, die die wahre Realität verdeckt. Für diejenigen, die die Unwissenheit mit dem Licht des Wissens zerstört haben, wird die Wahrheit klar und offensichtlich, ähnlich wie die Sonne, die die Dunkelheit vertreibt und die Welt erhellt. • Unwissenheit ist das, was das wahre Wesen der Seele verdeckt und den Menschen dazu bringt, sich an die materielle Welt zu klammern. Wenn diese Unwissenheit zerstört wird, sieht der Mensch die Wahrheit. • Wissen wirkt wie die Sonne, die die Dunkelheit vertreibt. Wissen enthüllt dem Menschen nicht nur seine eigene wahre Natur, sondern auch die höchste Wahrheit über das Göttliche, die zuvor durch Unwissenheit verborgen war.

5-17

Wenn Verstand, Geist, Glaube und Zuflucht des Menschen vollständig auf den Allerhöchsten ausgerichtet sind, dann befreit er sich dank vollkommenen Wissens vollständig von Sorgen und geht so mühelos den Weg der Befreiung.

Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna, wie Menschen, die ihr Leben vollständig dem Göttlichen gewidmet haben, die Befreiung vom Kreislauf des Handelns erreichen und nicht mehr zur materiellen Existenz zurückkehren. • Diejenigen, deren Verstand, Geist, Glaube und Zuflucht vollständig auf den Allerhöchsten ausgerichtet sind. Das bedeutet, dass ihr ganzes Bewusstsein, ihre Gedanken und Handlungen auf Gott ausgerichtet sind, sie vollständig auf Gott vertrauen und nur bei Ihm Zuflucht suchen. • Dank vollkommenen Wissens befreien sie sich von den Sorgen, die aus der materiellen Existenz entstehen. Sie haben keine Zweifel oder Unklarheiten mehr, da sie ein wahres Verständnis des Sinns des Lebens und ihrer spirituellen Natur erlangt haben. • Sie gehen mühelos den Weg der Befreiung, weil ihr Geist und ihr Herz frei von materiellen Fesseln sind. Sie haben einen Zustand erreicht, in dem keine Rückkehr in den Kreislauf von Geburt und Tod mehr erforderlich ist, da sie sich vollständig von den Leiden und Beschränkungen der materiellen Welt befreit haben.

5-18

Die demütigen Weisen sehen aufgrund wahren Wissens einen tugendhaften und demütigen Göttlichen, eine Kuh, einen Elefanten, einen Hund und einen Hundeesser gleich an.

Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna, dass weise und erleuchtete Menschen alle Lebewesen mit dem gleichen Blick betrachten, ohne sie nach ihrem äußeren Erscheinungsbild, ihrer Kaste, ihrem sozialen Status oder ihrer Tierart zu unterscheiden. Sie erkennen, dass die Seele in allen Lebewesen gleich ist, unabhängig davon, in welchem Körper sie sich befindet. • Ein gelehrter Mensch und ein Unreiner, der der niedrigsten Kaste angehört, werden gleich angesehen, weil ihre Seelen von Natur aus gleich sind. • Das Gleiche gilt für Tiere – eine Kuh, einen Elefanten oder einen Hund. Ein erleuchteter Mensch versteht, dass alle Lebewesen ein gleiches spirituelles Wesen haben, auch wenn sie sich in verschiedenen Formen oder Zuständen befinden. Dieser Vers deutet darauf hin, dass Menschen, die wahres Wissen und Demut besitzen, alle als gleich ansehen und nicht nach äußeren Faktoren unterscheiden können. Ihre Sicht basiert auf der Einheit der Seele und dem Bewusstsein der spirituellen Ebene, nicht auf materiellen Unterschieden.

5-19

Diejenigen, deren Geist sich in Gleichmut und Frieden gefestigt hat, haben die Bedingungen von Geburt und Tod bereits überwunden. Sie sind ohne Mängel und haben sich daher bereits im göttlichen Bewusstsein etabliert.

Erklärung: In diesem Vers weist Krishna darauf hin, dass diejenigen, deren Geist im Gleichgewicht ist und die die Welt mit einem einheitlichen Blick sehen, bereits in diesem Leben den Kreislauf von Geburt und Tod überwunden haben. Ihr Geist ist in ständiger Einheit mit dem göttlichen Bewusstsein, und deshalb sind sie dem Kreislauf von Geburt und Tod entkommen. • Göttliches Bewusstsein ist rein und vollkommen – es ist ohne Mängel und in allen gleich, unabhängig vom menschlichen oder tierischen Körper oder dem sozialen Status. Daher befinden sich diejenigen, die sich dieser Einheit bewusst sind, bereits im Zustand des göttlichen Bewusstseins. Dieser Vers betont, dass diejenigen, die spirituell erleuchtet sind und die Einheit in allen Lebewesen sehen, sich bereits vom Kreislauf von Geburt und Tod befreit haben und ständig mit dem göttlichen Bewusstsein verbunden sind.

5-20

Ein Mensch, der sich nicht freut, wenn er etwas Angenehmes erhält, noch traurig wird, wenn er etwas Unangenehmes erhält, dessen Verstand stabil ist, der nicht verwirrt ist und der die göttliche Wissenschaft kennt, befindet sich bereits in einem transzendenten Zustand.

Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna, wie ein Mensch beschaffen ist, der das göttliche Bewusstsein erreicht hat. Er lebt mit einem ausgeglichenen Geist, der nicht von äußeren Situationen beeinflusst wird – Freude oder Trauer, angenehme oder unangenehme Ereignisse. Ein solcher Mensch hat sich vom Dualismus und den Anhaftungen befreit, ist geistig stabil und lässt sich nicht von vorübergehenden Lebenssituationen stören. • Freut sich nicht und wird nicht traurig – dieser Mensch lässt sich nicht von emotionalen Schwankungen mitreißen. Er haftet weder an positiven noch an negativen Ereignissen, weil er versteht, dass dies vorübergehende Aspekte der materiellen Welt sind. • Stabiler Verstand – sein Verstand ist unerschütterlich. Das bedeutet, dass er trotz der Veränderungen um ihn herum ruhig und im Gleichgewicht bleibt. • Nicht verwirrt – ein solcher Mensch ist nicht in die Irre geführt, er versteht die wahre Natur der Welt und hat sich von Illusionen befreit. • Kennt die göttliche Wissenschaft – Er ist sich des Göttlichen als der alles durchdringenden spirituellen Realität bewusst und hat sich im göttlichen Bewusstsein etabliert, was bedeutet, dass er ständig mit dem göttlichen Bewusstsein verbunden ist.

5-21

Ein solcher befreiter Mensch ist nicht an materielle Sinnesfreuden gebunden, sondern verweilt stets in innerem Frieden und genießt Glückseligkeit in sich selbst. Auf diese Weise genießt eine selbstverwirklichte Person, die mit dem Göttlichen vereint ist, unbegrenzte Glückseligkeit, weil ihr Bewusstsein auf das Göttliche ausgerichtet ist.

Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna, dass wahres Glück nicht in äußeren weltlichen Objekten zu finden ist, sondern im inneren Bewusstsein. Ein Mensch, der nicht an äußere Dinge gebunden ist, findet wahres Glück in sich selbst – in seiner Seele und seinem inneren Wesen. • Äußere Objekte – weltliche Objekte, die vorübergehende Freude oder Lust erzeugen, aber vergänglich sind. Sie können kein dauerhaftes Glück bringen. • Ungebundene Seele – ein Mensch, der nicht an diese äußeren Objekte gebunden ist, weil er versteht, dass sie vergänglich und unbeständig sind. Sein Geist ist frei von Anhaftung, und deshalb findet er Glück in sich selbst. • Glück in sich selbst – wahres Glück ist innerlich, es kann nicht in der äußeren Welt gefunden werden, sondern nur im Verständnis des eigenen wahren Wesens. Ein Mensch, der durch spirituelle Disziplin mit dem göttlichen Bewusstsein verbunden ist, ist derjenige, der sich des Göttlichen bewusst ist und im Einklang mit spirituellem Wissen lebt. Er erreicht unerschöpfliches Glück, das unabhängig von weltlichen Freuden und Leiden ist.

5-22

Ein vernünftiger Mensch beteiligt sich nicht an den Quellen des Leidens, die durch den Kontakt mit den materiellen Sinnen entstehen. Oh, Sohn der Kuntī, solche Freuden haben einen Anfang und ein Ende, und deshalb findet der Weise keinen Gefallen daran.

Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna, dass sinnliche Freuden, die von äußeren Objekten herrühren, von kurzer Dauer sind und ihre Natur so beschaffen ist, dass sie immer zu Leid führen. Das liegt daran, dass diese Freuden einen Anfang und ein Ende haben und kein dauerhaftes Glück bringen können. Wenn solche Freuden enden, erzeugen sie Enttäuschung und Leid. Ein weiser Mensch gibt sich diesen Freuden nicht hin, weil er ihre vergängliche Natur versteht. Krishna spricht Arjuna als Sohn der Kuntī an, um auf seinen Adel und seine Verantwortung hinzuweisen.

5-23

Wenn ein Mensch vor dem Verlassen dieses Körpers die Triebkräfte der materiellen Sinne ertragen und die Macht der Begierden und des Zorns aufhalten kann, dann ist er in dieser Welt stabil und glücklich.

Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna, dass ein Praktizierender spiritueller Disziplin (jemand, der mit spiritueller Disziplin verbunden ist) in der Lage ist, Begierden und Zorn zu überwinden, die zwei der stärksten emotionalen Kräfte des Menschen sind. Diese Überwindung ist wichtig, um inneren Frieden und wahres Glück zu erreichen. • Begierden und Zorn – Dies sind die wichtigsten Arten von Emotionen, die das Gleichgewicht des Geistes stören und Unruhe verursachen können. Begierden entstehen aus materieller Anhaftung, und Zorn entsteht aus Unzufriedenheit, wenn Begierden nicht erfüllt werden. • Begierden und Zorn ertragen – Ein Mensch, der in der Lage ist, die Auswirkungen dieser starken emotionalen Kräfte zu ertragen, ist jemand, der sich selbst beherrscht und auch während äußerer Störungen im Gleichgewicht bleiben kann. • Vor der Freisetzung des Körpers – Das bedeutet, dass ein Mensch diesen Zustand bereits in diesem Leben, vor dem Tod, erreichen sollte, damit er spirituelle Freiheit und Glück erfahren kann. • Mit spiritueller Disziplin ausgestattet – Jemand, der mit spiritueller Disziplin verbunden und innerlich ausgeglichen ist, ist in der Lage, Begierden und Zorn nicht nachzugeben. Ein solcher Mensch ist wahrhaft glücklich, weil sein Geist frei von störenden Emotionen und Anhaftung ist.

5-24

Wer Glück in sich findet, wer aktiv ist und sich in sich selbst freut und dessen Ziel auf die innere Welt gerichtet ist, ist wahrlich ein Mystiker. Er ist im Allerhöchsten befreit und erreicht schließlich das Allerhöchste.

Erklärung: In diesem Vers beschreibt Krishna den Zustand eines Praktizierenden höchster spiritueller Disziplin – einen Menschen, der sich vollständig auf seine innere Welt konzentriert und Glück, Freude und Erleuchtung in sich selbst findet, nicht in äußeren Objekten. Ein solcher Mensch hat Befreiung und Verschmelzung mit dem Göttlichen erreicht. Es ist der innere Frieden, der zur Befreiung von materiellen Fesseln und zur Vereinigung mit dem göttlichen Bewusstsein führt.

5-25

Diejenigen, die sich über die Dualitäten erhoben haben, die aus Zweifeln entstehen, deren Geist auf die innere Welt gerichtet ist, die immer zum Wohle aller Lebewesen handeln und die frei von allen Sünden sind, erreichen die Befreiung im Allerhöchsten.

Erklärung: In diesem Vers beschreibt Krishna, wie spirituell erleuchtete Menschen (die Weisen) die Einheit mit dem göttlichen Bewusstsein erreichen, was eine vollständige Befreiung von materiellen Fesseln ist. Diese Menschen, die sich von Sünden gereinigt haben, sich von Zweifeln befreit haben und zum Wohle anderer handeln, erreichen die Einheit mit dem göttlichen Bewusstsein – einen Zustand, in dem sie mit dem göttlichen Bewusstsein vereint und von der materiellen Welt befreit sind.

5-26

Diejenigen, die frei von Zorn und allen materiellen Begierden sind, die selbstverwirklicht, selbstdiszipliniert sind und ständig nach Vollkommenheit streben, werden die Befreiung im Allerhöchsten ganz gewiss bald erreichen.

Erklärung: In diesem Vers erklärt Krishna, wie Praktizierende spiritueller Disziplin die Einheit mit dem göttlichen Bewusstsein oder die Befreiung von der materiellen Welt erreichen können, indem sie die Einheit mit dem göttlichen Bewusstsein erreichen. Diese Menschen haben sich von Begierden und Zorn befreit – zwei der stärksten Hindernisse auf dem spirituellen Weg. Sie sind selbstverwirklicht, diszipliniert und streben ständig nach spiritueller Vollkommenheit. Die Befreiung solcher Menschen im göttlichen Bewusstsein ist sehr nah, da sie einen hohen spirituellen Zustand erreicht haben, der zur vollständigen Befreiung von der materiellen Existenz führt.

5-27

Indem er sich von äußeren Sinnesobjekten abwendet, den Blick auf einen Punkt zwischen den Augenbrauen gerichtet hält, das Ein- und Ausatmen in den Nasenlöchern anhält und so Geist, Sinne und Verstand beherrscht, befreit sich der Praktizierende spiritueller Disziplin, der nach Befreiung strebt, von Begierden, Furcht und Zorn.

Erklärung: In diesem Vers wird eine Meditationstechnik beschrieben, die hilft, sich vom Einfluss äußerer Objekte zu befreien und den Geist zu konzentrieren. Die Notwendigkeit wird betont, sich von Sinnesobjekten abzuwenden, den Blick auf einen Punkt zwischen den Augenbrauen zu richten, die Atmung zu kontrollieren sowie Geist, Sinne und Verstand zu beherrschen. Diese Praxis hilft dem Praktizierenden spiritueller Disziplin, sich von Begierden, Furcht und Zorn zu befreien, die die Haupthindernisse auf dem spirituellen Weg sind.

5-28

Wer sich immer in diesem Zustand befindet, ist wahrlich befreit.

Erklärung: Dieser Vers schließt den vorherigen Gedanken ab und bestätigt, dass eine Person, die ständig in der Lage ist, einen solchen inneren Zustand aufrechtzuerhalten, indem sie sich von äußeren Ablenkungen abschaltet und ihren Geist und ihre Sinne kontrolliert, wahrlich die Befreiung von den Beschränkungen der materiellen Welt erreicht.

5-29

Der Weise, der Mich als den höchsten Genießer aller Opfer und Entsagungen, als den Höchsten Herrn aller Planeten und himmlischen Wesen, als den Wohltäter und Freund aller Lebewesen erkennt, befreit sich von materiellem Leid und erreicht Frieden.

Erklärung: Dieser Vers gibt den Schlüssel zur Weisheit, um inneren Frieden und Harmonie zu erlangen. Krishna offenbart, dass Gott der wahre Genießer aller Rituale, Askese und Opfergaben und der Herrscher aller Welten ist. Wer diese Wahrheit versteht, kann spirituellen Frieden erlangen. • Genießer aller Opfergaben und Askese – Krishna erklärt, dass Er derjenige ist, der alle Opfergaben und Askese annimmt. Opfergaben und Askese, die Gott dargebracht werden, führen zu spiritueller Reinigung und führen zum Frieden. • Herrscher aller Welten – Krishna weist darauf hin, dass Er der Höchste Herr ist, dem alle Welten und alle Wesen gehören. Er ist der Herrscher aller Lebensformen und des Universums. • Wohltäter aller Lebewesen – Krishna herrscht nicht nur über die Welt, sondern ist auch der Freund und Wohltäter aller Wesen. Er kümmert sich um das Wohlergehen aller Lebensformen und wünscht sich ihre spirituelle Entwicklung. Wer sich der Rolle Krishnas als des Höchsten Herrschers und Wohltäters bewusst ist, erreicht inneren Frieden, weil er versteht, dass alles von Gott abhängt und dass Gott immer zum Wohle des Menschen wirkt.

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